{"id":11,"date":"2015-07-30T12:01:42","date_gmt":"2015-07-30T10:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-rinnsteins.de\/?p=11"},"modified":"2022-06-20T22:09:57","modified_gmt":"2022-06-20T20:09:57","slug":"geschichte-nummer-drei-ricarda","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mischmash.de\/?p=11","title":{"rendered":"Das Geschichten-Portal"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-top: 0cm; line-height: 150%;\"><em>(von Ricarda Br\u00fccke)<\/em><\/p>\n<p>Die Augustsonne f\u00e4rbte den Asphalt golden, als Elsa mit schnellen Schritten die Choriner Stra\u00dfe hinunter lief. Sie kam direkt aus der Agentur, hatte heute fr\u00fcher Schluss gemacht, musste zu ihrer Freundin Kim. Ein Notfall. Kim war mit den Nerven am Ende, und das schon seit geraumer Zeit. Genauer gesagt, seit sie Mutter eines Schreikindes geworden war. Sie war bereits bei zahlreichen \u00c4rzten, Hom\u00f6opathen und Gurus gewesen, doch bislang hatte kein Ansatz Wirkung gezeigt. Beim letzten Mal hatte ein karibischer Exorzist versucht, den \u201eGewittergeist\u201c, der das Kind wohl besetzt hielt, auszutreiben. Elsa fragte sich, was f\u00fcr eine Geschichte sie diesmal zu h\u00f6ren bekam. In ihrer Tasche vibrierte das Handy. Oh, neee, das war sicher wieder ihr Chef! Elsas Hand suchte das Telefon. Schlimmer, es war ihre Mutter. In dem Moment, als sie die gr\u00fcne Taste bet\u00e4tige, ergoss sich ein Wortschwall in Elsas Ohr. Es hatte einen Wasserrohrbruch gegeben. \u201eDas ist jetzt der Dritte in unserer Familie\u201c, ereiferte sich ihrer Mutter, \u201eerst bei Tante Gerti, dann bei Oma Irmgard und jetzt hier bei mir!\u201c In der Tat merkw\u00fcrdig. Elsa fragte sich, was das zu bedeuten hatte. Eine chinesische Gl\u00fcckskeks-Stimme in ihrem Kopf sagte: Stalke Gef\u00fchle blechen sich ihle Bahn. Elsa gab ihrer Mutter zu verstehen, dass sie mit ihrer schwierigen Lage sympathisierte und erkl\u00e4rte dann, dass sie auf dem Weg zu Kim war. \u201eHat das Kind aufgeh\u00f6rt zu schreien?\u201c, wollte ihre Mutter wissen. \u201eNein? Ach, die hat\u2018s aber auch nicht leicht \u2026 Oh, der Klempner.\u201c Elsa versprach ihrer Mutter, sie heute Abend noch einmal anzurufen. Die Mutter hatte bereits aufgelegt.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 0cm; line-height: 150%;\">Ein Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene fuhr an ihr vorbei. Elsa zuckte zusammen. Als sich ihre Lungen wieder mit Luft f\u00fcllten, dachte sie daran, was ihrem Chef letzte Woche zugesto\u00dfen war. Nach dem Besuch bei einem schwierigen Kunden hatte er auf der Stra\u00dfe einen epileptischen Anfall erlitten. Minutenlang war er ohne Bewusstsein gewesen. Als er die Augen aufschlug, hatte sich eine gut aussehende, blonde Rettungsdienstfahrerin mit einer verspiegelten Fliegerbrille \u00fcber ihn gebeugt. In der Brille konnte er sein totenbleiches Gesicht sehen, in doppelter Ausf\u00fchrung. Im n\u00e4chsten Moment war Heike Makatsch neben der Rettungsdienstfahrerin aufgetaucht und hatte gefragt, ob alles in Ordnung sei. An diesem Erlebnis hatte ihr Chef noch schwer zu knabbern. St\u00e4ndig erz\u00e4hlte er Elsa von neuen Details, an die er sich nun scheinbar wieder erinnerte. Nat\u00fcrlich war mit epileptischen Anf\u00e4llen ebenso wenig zu spa\u00dfen wie mit Herzproblemen. Die Herzprobleme hatte Elsas Freund. Der Herzschmerz kam anfallartig. Peter f\u00fchrte ihn auf Stress bei der Arbeit zur\u00fcck. Er arbeitete bei VW in Wolfsburg und war f\u00fcr die Wartung der Montagestationen verantwortlich. Ein Flie\u00dfbandausfall von wenigen Minuten konnte den Autohersteller gleich mehrere zehntausend Euro kosten. Geld, das Peter zu verantworten hatte. Sie kam jetzt an dem kleinen italienischen Restaurant vorbei, in das Peter und sie \u00f6fter gingen. Zu Elsas \u00dcberraschung sah sie ihn jetzt dort sitzen, drau\u00dfen unter einem wei\u00dfen Sonnenschirm, der wie eine \u00fcberdimensionale Parabolantenne aussah. Zu ihrer noch gr\u00f6\u00dferen \u00dcberraschung sa\u00df er dort mit einer unbekannten Frau, deren Hand er hielt. Herzprobleme! Peter sah sie nicht. Elsa lief einfach weiter geradeaus. Ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl stieg ihre Beine hinauf. Das Gef\u00fchl durchflutete ihr Becken, drehte ein paar Runden in ihrem Bauch und schoss dann wie aus einer W\u00e4schetrommel heraus in Richtung Brust.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 0cm; line-height: 150%;\">Es war unklar, wie lange Elsa gelaufen war. Irgendwann fand sie sich vor einer Backsteinmauer wieder. Auf die Mauer war mit schwarzer Farbe ein gro\u00dfer Kreis gezeichnet worden. Elsa fiel auf, dass die Backsteine innerhalb des Kreises vibrierten. Als sie ihre Hand nach den vibrierenden Steinen ausstreckte, verschwanden ihre Fingerspitzen in der Mauer. Ohne noch einen weiteren Gedanken zu fassen, holte Elsa mit beiden Armen Schwung und sprang kopf\u00fcber durch den Kreis. Sie kam hart auf dem B\u00fcrgersteig vor ihrem Wohnhaus auf. Gerade als sie auf die Knie gekommen war und die Hautabsch\u00fcrfungen an ihren H\u00e4nden begutachtete, \u00f6ffnete sich die Haust\u00fcr und der Nachbar mit der Glatze und dem Bart kam ihr mit seinem Rennrad entgegen. Es war der Nachbar, der ihr jeden Tag begegnete, der Nachbar, der immer so grimmig schaute. Elsa kannte ihn nur vom Gr\u00fc\u00dfen. Warum er so grimmig guckte, das wusste sie nicht. Zu ihrer \u00dcberraschung l\u00e4chelte der Nachbar heute. Er stellte sein Fahrrad ab, kam auf sie zu und nahm ihr Gesicht in beide H\u00e4nde. Er dr\u00fcckte ihr einen Kuss auf den Mund. \u201eWillkommen in deiner eigenen Geschichte\u201c, sagte er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(von Ricarda Br\u00fccke) Die Augustsonne f\u00e4rbte den Asphalt golden, als Elsa mit schnellen Schritten die Choriner Stra\u00dfe hinunter lief. 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